Auf dieser Seite finden Sie zu folgenden Fragen Informationen:
Für wen ist die Testimony Therapie (abgekürzt: TT) geeignet?
Wie wird in der Testimony Therapie vorgegangen?
Wie wirkt die Testimony Therapie (Wirkfaktoren)?
Ist die Testimony Therapie wirksam (Evaluation)?
Für wen ist die Testimony Therapie (abgekürzt: TT) geeignet?
Die TT ist ursprünglich für die Behandlung von Verfolgten des Pinochet-Regimes in Chile entwickelt worden (Cienfuegos, 1983). Die TT wird heute für Überlebende staatlicher Gewalt (Folteropfer und zivile Überlebende von Kriegen und Greueltaten) eingesetzt. Sie wird sowohl zur Therapie von Traumatisierungen, die mehrere Monate oder Jahre zurückliegen (Agger, 1990) eingesetzt wie auch als akute Intervention in Krisensituationen unmittelbar nach der Flucht (Neuner, sub.). Einige Therapeuten wenden die TT auch als Therapieform für Menschen an, die lange Leidenswege mit wiederkehrenden traumatischen Erfahrungen (z.B. wiederkehrende sexuelle Gewalt) jenseits staatlicher Gewalt hinter sich haben. Die Wirksamkeit der TT für diese Einsatzbereiche wurde jedoch bisher nicht überprüft.
Wie wird in der Testimony Therapie vorgegangen?
Der Betroffene erstellt zusammen mit einem Therapeuten ein detailliertes Dokument über seine Biographie, wobei ein besonderes Gewicht auf die traumatischen Erlebnisse gelegt wird. Die Geschichte entsteht in mehreren Sitzungen und wird immer wieder ergänzt und vervollständigt, bis aus den typischerweise bruchstückhaften und widersprüchlichen Berichten über traumatische Erlebnisse eine in sich stimmige Erzählung gebildet wurde, zu der nichts Entscheidendes mehr hinzuzufügen ist. Dieser Bericht wird vom Betroffenen und seinem Therapeuten unterschrieben. Wenn gewünscht, kann das Dokument einer Menschenrechtsorganisation zur Verfügung gestellt werden, um auf die Zustände in den jeweiligen Staaten aufmerksam zu machen.
Wie wirkt die Testimony Therapie (Wirkfaktoren)?
Die vermuteten Wirkfaktoren sind :
Ist die Testimony Therapie wirksam (Evaluation)?
Die Wirksamkeit der TT wurde in mehreren Einzelfallstudien (Agger, 1990; Neuner, sub.) und Gruppenstudien (Cienfuegos, 1983) untersucht. Eine strenge Evaluation im Sinne einer kontrollierten Therapiestudie steht noch aus.
Weine und Kollegen (1998) finden in ihrer Pilotstudie mit 20 Flüchtlingen aus Bosnien-Herzegovina:
Der Inhalt dieser Seite entstand in Zusammenarbeit mit Herrn Dipl.-Psych. Frank Neuner
Quellen
Agger, I. & Jensen, S. B. (1990). Testimony as ritual and evidence in psychotherapy for political refugees. Journal of Traumatic Stress, 3, 115-130.
Cienfuegos, J., & Monelli, C. (1983). The testimony of politival repression as a therapeutic intrument. American Journal of Orthopsychiatry, 53, 43-51.
Foa, E. B., Molnar, C., & Cashman, L. (1995b). Change in rape narratives during exposure threapy for posttraumatic stress disorder. Journal of traumatic stress, 4, 675-690.
Neuner, F., Schauer, M., Elbert, T., & Roth, W. T. (2000, submitted). Testimony therapy as an acute intervention in a Macedonian refugee camp: Two case reports.
Pennebaker, J. W. (1993). Putting stress into words: Health, linguistics, and therapeutic implications. Behavior Research and Therapy, 31(6), 539-548.
Pennebaker, J. W. (1997). Writing about emotional experiences as a therapeutic process. Psychological Science, 8(3), 162-166.
Weine, S. M., Kulenovic, A. D., Pavkovic, I., & Gibbons, R. (1998). Testimony psychotherapy in Bosnian refugees: A pilot study. American Journal of Psychiatry, 155(12), 1720-1726.