EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Auf dieser Seite finden Sie zu folgenden Fragen Informationen: 

Für wen ist EMDR geeignet?
Wie wird bei EMDR vorgegangen?
Wie wirkt EMDR (Wirkfaktoren)?
Wie wirksam ist EMDR (Evaluation)?
EMDR im Internet

 

Für wen ist EMDR geeignet?
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den 80er Jahren von Francine Shapiro als traumazentrierte Psychotherapie entwickelt. Heute wird die Methode zur Behandlung einer PTBS nicht isoliert, sondern meist im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans (Berger, 2004) angewendet.
Einsatz findet sie sowohl bei akuten Monotraumata wie Unfällen, Gewalterfahrungen, Vergewaltigungen etc., als auch bei traumatischen Erlebnissen, die bereits einige Jahre zurückliegen. Es sollte abgeklärt werden, ob nicht auch gleichzeitig eine dissoziative Störung  vorliegt, da hierbei der Klient durch EMDR retraumatisiert werden kann, d.h. nur überschwemmt von angstmachenden Bildern und Gefühlen.
Bei der Traumabearbeitung ist es wichtig darauf zu achten, dass Betroffene ausreichend stabilisiert sind, um sich mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Beschwerden (PTBS , Akute Stressreaktion ) konfrontieren zu können. Ein zu früh begonnene und nicht ausreichend professionell durchgeführte Konfrontation kann zu einer Retraumatisierung  führen.


Wie wird bei EMDR vorgegangen?

Die EMDR - Behandlung ist gegliedert in acht Phasen, in denen Psychoedukation , Stabilisierungsverfahren  sowie Desensibilisierung  und Durcharbeitung eine bedeutende Rolle spielen (Hofmann, 1999).
Der Betroffene konzentriert sich zunächst auf das traumatische Erlebnis. Dann wird er vom Therapeuten gebeten dessen Handbewegungen von rechts nach links mit den Augen zu folgen, wahlweise können auch akustische oder taktile Reize, z.B. Fingerschnippen, hinzugenommen werden. Dies wird solange wiederholt, bis der Klient die traumatische Erinnerung als nicht mehr so belastend empfindet (Berger, 2004).

Wie wirkt EMDR (Wirkfaktoren)?

Durch das Folgen der Handbewegungen mit den Augen soll eine abwechselnde Stimulation beider Gehirnhälften erreicht werden. Man geht davon aus, dass EMDR über diese abwechselnde Stimulation funktioniert (Neumann, 2005). Dies scheint einleuchtend, da Emotionen vorwiegend in der rechten Hemisphäre und logische Zusammenhänge sowie Sprache vorwiegend in der linken Hemisphäre verarbeitet werden. Bei PTBS ist oft gerade die Weiterleitung und Verarbeitung der Emotionen blockiert. Durch die abwechselnde Stimulation scheint EMDR eben diese Weiterleitung und Verarbeitung im Gehirn unterstützen zu können. Oft ist es so, dass Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, "die Sprache fehlt", um ihre Gefühle und Erlebnisse adäquat ausdrücken zu können. Somit ist die Aktivität im Sprachzentrum meist sehr gering (van der Kolk, 2000). Nach einer EMDR - Behandlung steigt die Aktivität deutlich an und viele Betroffene haben so auch die Möglichkeit erstmals passende Worte für das Erlebte zu finden (Neumann,2005).
Ziel ist die Synchronisation der beiden Gehirnhälften. Jedoch scheint der genaue Wirkmechanismus noch nicht ganz klar zu sein.

Ist EMDR wirksam (Evaluation)?

Obwohl EMDR als Therapie der PTBS heute oft und durchaus erfolgreich eingesetzt wird, scheint es noch immer Differenzen in der wissenschaftlichen Anerkennung dieser Therapieform zu geben. Die American Psychological Association APA nahm EMDR 1995 in die Liste empirisch validierter Verfahren als "wahrscheinlich wirksam" für PTBS auf, da viele der verwendeten Studien methodische Mängel aufwiesen (Chambless et al., 1998).
Andrade (1997) fand in Untersuchungen Bestätigung für seine Hypothese, dass sich durch die Augenbewegungen bei EMDR die Intensität der belastenden Bilder verringert.
An der Medizinischen Hochschule Hannover wird gerade unter Leitung von Prof. Dr. Lamprecht, Dr. Sack, Dr. Lempa der Wirkmechanismus von EMDR auf psychologischer (Verwendung standardisierter Testverfahren ), physiologischer (Messung von Herzrate, Hautleitfähigkeit)und neurophysiologischer Ebene (durch ERP, EEG) untersucht. Ebenso werden bildgebende Verfahren (PET, MRT) verwendet.

Laut Gutachten des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie, § 11 PsychThG vom 6. Juli 2006, kann EMDR bei Erwachsenen mittlerweile als Methode zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung als wissenschaftlich anerkannt gelten.

 

EMDR im Internet

EMDR Institut Deutschland

EMDRIA Deutschland e.V.

EMDR Institut USA

Einführungsartikel zu EMDR von Oliver Schubbe

 

Quellen

Andrade, J., Kavanagh, D., & Baddeley, A. (1997). Eye-movements and visual imagery: A working memoryapproach to the treatment of post-traumatic stress disorder. British Journal of Clinical Psychology, 36, 209.223.

 

Berger, M. (2004). (Hrsg) . Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. München: Urban & Fischer.

 

Chambless, D.L., Baker, M.J., Baucom, D.H., Beutler, L.E., Calhoun, K.S., Crits-Christoph, P., Daiuto, A., DeRubeis, R., Detweiler, J., Haaga, D.A.F., Bennett Johnson, S., McCurry, S., Mueser, K.T., Pope, K.S., Sanderson, W.C., Shoham, V., Stickle, T., Williams, D.A. & Woody, S.R. (1998). Update on empirically validated therapies. The clinical Psychologist, 51, 3 - 16.

 

Hofmann, A. (1999). EMDR in der Therapie psychotraumatischer Belastungssyndrome. Stuttgart:Thieme.

 

Van der Kolk, B.A., McFarlane, A.C., Weisaeth, L. (2000). Traumatic Stress. Grundlagen und Behandlungsansätze. Paderborn: Junfermann.

 

Neumann, K., (08.12.2005). EMDR Therapie[www document]. URL: http://www.emdr-institut.de/0200_therapie/index.php