Gestalttherapie

Auf dieser Seite können Sie sich informieren über:

Hintergrund und Entstehung der Gestalttherapie
Die neun Kern- Gebote der Gestalttherapie
Techniken der Gestalttherapie
PTBS aus Sicht der Gestalttherapeuten
Verwendung von Techniken der Gestalttherapie zur Traumatherapie
Gestalttherapie im Internet

 

Hintergrund und Entstehung der Gestalttherapie

In der Gestalttherapie wird der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele, eingebunden in ein ökologisches und soziales Umfeld betrachtet, sie basiert also auf einem ganzheitlichen Weltbild. Begründer der Gestalttherapie waren in den 40er Jahren Fritz und Lore Perls, die beide zu der Zeit als Pychoanalytiker tätig waren. Von den Nazis verfolgt flohen die beiden Deutschen über Holland nach Südafrika und ließen sich 1946 in den USA nieder. Ab Ende der vierziger Jahre steuerte der Soziologe Paul Goodman viele sozialphilosophische Aspekte zur Entwicklung der Gestalttherapie bei.

 

Die neun Kern-Gebote der Gestalttherapie (Kriz, 2001)

  1. Lebe jetzt. Kümmere dich um die Gegenwart, statt um die Vergangenheit und die Zukunft.
  2. Lebe hier. Beschäftige dich mit dem Anwesenden statt mit dem Abwesenden.
  3. Höre auf, dir etwas vorzustellen. Erfahre die Realität.
  4. Höre auf, unnötig zu denken. Besser: Probier und schau.
  5. Drücke dich lieber aus, anstatt zu manipulieren, zu erklären, zu rechtfertigen und zu urteilen.
  6. Lasse dich auf Unerfreuliches und Schmerz ebenso ein wie auf Freude.
  7. Akzeptiere keine "sollte" oder "müsste" außer deinen eigenen.
  8. Übernimm die volle Verantwortung für deine Handlungen, Gefühle, Gedanken.
  9. Akzeptiere dich (und die anderen), wie du jetzt bist (wie sie jetzt sind).

In der Gestalttherapie geht es vor allem darum dem Klienten unerwünschte Gefühle bewusst und erfahrbar zu machen, sie in die Gestalt zu integrieren, d.h. sie als eigen zu erkennen und dem Klienten aufzuzeigen, welche Fähigkeiten er hat mit diesen unerwünschten Gefühlen umzugehen. Durch die Würdigung der Kräfte, die der Klient selbst mitbringt, kommt er in Kontakt mit seiner Fähigkeit, Lösungen (seines Problems) für sich zu finden. Dieser Kontakt macht es ihm möglich, sich selbst, seine Mitmenschen und seine Umgebung so wahrzunehmen, daß er die Unterstützung spürt, die er daraus ziehen kann.

 

Techniken der Gestalttherapie (Kriz, 2001)

  • Unterstützung (Support): empathisches Mitgehen, Ich-Du-Kontakt, Kooperation, Ermutigung, Halt-Geben
  • Frustration (skillful frustration): Konfrontation, Hinweise auf logische Brüche und Widersprüche in Aussagen des Klienten, Provokation
  • Hier und Jetzt: Bewusstsein schärfen, Erleben aktivieren, Aufmerksam machen
  • Gestalt-Dialog (Leerer Stuhl): Klient setzt eine Bezugsperson oder einen physisch/psychisch/kognitiven Teil von sich auf einen leeren Stuhl gegenüber, nimmt mit ihr Kontakt auf und führt im Rollentausch einen Dialog
  • Kreative Übungen: Kontakt zum Material, zur Umwelt und zu sich selbst, durch z.B. Malen, Modellieren
  • Darstellungen mit dem eigenen Körper oder in Gruppen (ähnlich zum Psychodrama)
  • Phantasie-Übungen
  • Arbeit mit Träumen

PTBS aus Sicht der Gestalttherapeuten (Cohen, 2002)

Aus einer Gestalttherapeutischen Perspektive wird die Posttraumatische Belastungsstörung  als unbeendete, unvollendete Aufgabe gesehen. Die angezeigten Symptome eines Traumas scheinen zu zeigen, dass

  1. es sich um einen Versuch handelt, sich an ein Ereignis anzupassen, das mit nichts vergleichbar ist
  2. es wiederholt nicht erfolgreiche Versuche zur Bewältigung im Laufe der Erfahrung gab
  3. Unzufriedenheit mit den eigenen Reaktionen auf die ungewöhnlichen Umstände vorhanden ist
  4. es sich um eine existentielle Erinnerung an die eigene Sterblichkeit handelt

Nach Melnick and Nevis (1992; 1998) ist eine PTBS die Folge des Unvermögens sich von einer Erfahrung freizumachen, sie zu integrieren und zu verdauen. Sie argumentieren, dass die Symptome einer PTBS auf Störfälle in der letzten Phase der Ereignisfolge zurückzuführen sind.

Diese letzte Phase nennen sie die Demobilisierungsphase und sie besteht aus vier Unterphasen:

  1. sich entfernen, abwenden
  2. Anpassung, einverleiben
  3. der Lücke begegnen
  4. Anerkennung, Bestätigung

Diesen Phasen folgend, sollte die Therapie zuerst darauf fokussiert sein, es dem Klienten zu ermöglichen sich vom Gegenstand des Traumas zu distanzieren.
In der zweiten Phase der Therapie sollte der Klient langsam durch einen Prozess der Anpassung geleitet werden. Das Freisetzen der Emotionen sollte von der Entwicklung von Strategien begleitet werden, die es dem Klienten ermöglichen mit der freiwerdenden Energie umzugehen.
Die Erarbeitung der dritten Stufe ist am schwierigsten, da der Klient an dieser Stelle auf die Leere stößt und sich mit dieser Lücke, die durch das traumatische Ereignis entstanden ist, auseinandersetzen muss.
In der vierten Phase wird das Ereignis als etwas anerkannt, das das Hervortreten neuer Aspekte des Selbst ermöglichte. Nach Melnick und Nevis ist der Klient nach einer erfolgreichen Therapie nicht nur beschwerdefrei, sondern wird auch einen Gewinn aus dem traumatischen Ereignis gezogen haben.

 

Verwendung von Techniken der Gestalttherapie zur Traumatherapie (Cohen, 2002)

Die meisten Techniken der Gestalttherapie können auch zur Traumatherapie eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Phantasie-Übungen und Visualisierungen (Imagination)
  • Kreative Betonung der Körpersprache
  • Dialog (two-chair work)
  • abgestufte In-Vivo Exposition
  • In-Vitro Exposition (enactment) während der Therapiesitzungen
  • Psychodrama

Der Gestalttherapeut hat mit den "Hier und Jetzt" Übungen, sowie dem Berücksichtigen von Körperbewegungen und non-verbalem Verhalten, Möglichkeiten die Auswirkungen der Exposition für den Klienten zu erleichtern.

 

Gestalttherapie im Internet

Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V.

Gestalttherapie Institut Köln

Gestalttherapie Infoseite mit Therapeutenadressen

Institut für integrative Gestalttherapie

 

Quellen:

Cohen, A. (2002). Gestalt therapy and Post-traumatic Stress Disorder: The potential and its (lack of) fulfilment. Retrieved February 1, 2007, from http://www.g-gej.org/6-1/gestaltptsd.html.

 

Kriz, J. (2001). Gestalttherapie. In J. Kriz, Grundkonzepte der Psychotherapie (S. 189- 198). Weinheim: Beltz.

 

Melnick, J. & Nevis, S. M. (1992). Diagnosis: The struggle for a meaningful paradigm. In E. C. Nevis (Ed.), Gestalt Therapy. New York: Gardner Press.

 

Melnick, J. & Nevis, S. M. (1998). Diagnosing in the here and now: A gestalt therapy approach. In L. S.

 

Greenberg & J. C. Watson (Eds.), Handook of Experiential Psychotherapy (pp. 428-447). New York: The Guilford Press.