Psychodrama

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Hintergrund und Entstehung des Psychodrama

Techniken des Psychodrama

Verwendung des Psychodrama zur Traumatherapie

Psychodrama im Internet

 

Hintergrund und Entstehung des Psychodrama (Kriz, 2001)

Der Begriff Psychodrama ist untrennbar mit dem Namen Iacov Levi Moreno (1889 - 1974) verbunden. Der gebürtige Rumäne wuchs in Wien auf, studierte Medizin und arbeitete ab 1925 in den USA als Psychiater. Bereits in Schul- und Studienzeiten hatte Moreno neben dem Interesse für Medizin, Psychologie, Soziologie und Philosophie ein großes Interesse am Theater. Besonders begeisterte er sich dabei für spontane und kreative Stehgreifspiele. Auch später in seiner therapeutischen Tätigkeit stand für ihn daher das aktive Spielen einer Rolle stark im Vordergrund und sein Begriff der "Rolle" umfasste fast alle Dimensionen menschlicher Existenz. Dabei sieht Moreno den Mensch als soziales und schöpferisches Wesen, dessen Handeln im Kontext sozialer und kultureller Umwelt wesentlich an die Ausübung von Rollen gebunden ist und für das er Verantwortung trägt.

Das Psychodrama gehört zu den Therapie-, Lern- und Selbsterfahrungsmethoden, für die der emotionale Ausdruck in verschiedener Stärke von zentraler Bedeutung ist. Über die Inszenierung von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Situationen können innere und zwischenmenschliche Konflikte und konkrete Lösungen direkt erfahrbar werden.

 

Techniken des Psychodrama (Kriz, 2001)

Psychodrama heißt Rollenspiel. Damit sich ein Klient seiner Rollenvielfalt, seinen Rollenkonflikten und besonders auch neuen Rollen bewusst werden kann, ist das psychodramatische Vorgehen durch sechs Elemente gekennzeichnet: die Bühne, den Protagonisten, den Spielleiter oder Direktor, die Mitspieler, Hilfs-Ichs oder Assistenten, die Teilnehmer der Gruppe und die Psychodrama-Techniken.

Die Bühne ist die Rekonstruktion des Raums in dem ein Mensch lebt, mit allen physischen, psychologischen und sozialen Aspekten. Symbolisch kann der Protagonist seine Szenen aus Vergangenheit und Zukunft, Träume, Ängste, Phantasien, Beziehungen, Lebenssituationen und Wünsche auf dieser Bühne entfalten.

Der Protagonist setzt auf der Bühne das in Szene, was ihm im Moment spontan in den Sinn kommt. Dabei soll ein möglichst hoher Realitätsgehalt der Gefühle entstehen, damit der Protagonist seine Wirklichkeit (wieder-) erleben oder mit neuen Verhaltensmöglichkeiten experimentieren kann.

Die Rolle der Spielleiters übernimmt der Therapeut. Er steht dem Protagonisten bei, initiiert das Psychodrama und bespricht mit der Gruppe in einer Abschlussphase das Spiel.

Die Mitspieler werden vom Protagonisten eingesetzt um reale oder fiktive Personen symbolisch darzustellen. Sie spielen ihre Rollen den Anweisungen des Protagonisten folgend.

Die Teilnehmer der Gruppe sind die Zuschauer. Sie helfen bei den Vorbereitungen und ihre Hauptaufgabe ist die Anteilnahme und unterstützende Rückmeldung an den Protagonisten in der Nachbesprechung.

Die Psychodrama- Techniken ermöglichen ein besonders intensives Spiel. Viele der Techniken die in den verschiedenen Phasen des Psychodrama eingesetzt werden, werden auch in der Gestalttherapie angewandt, wie zum Beispiel der "leere Stuhl".

Andere Methoden sind:

  • Rollentausch: Wichtigstes Element im Psychodrama. Der Protagonist begibt sich in die Position einer anderen Person und spricht und handelt dann aus der leiblichen und seelischen Identifikation mit dieser Person heraus.
  • Spiegeln: Die eigene Handlungsszene wird mit einem Doppelgänger des Protagonisten wiederholt, so dass der Protagonist sich mit dem Blick von außen wie in einem Spiegel anschaut.
  • Doppeln: Ein Mitspieler nimmt die Haltung des Protagonisten in unmittelbarer Nähe zu ihm ein. Er spricht in der Ich-Form Gefühle oder Gedanken aus, die der Stimmungslage des Protagonisten entsprechen könnten. Der Protagonist erfährt so eine tiefgehende Anteilnahme und kommt dadurch leichter in Kontakt mit seinen Gefühlen.

 

Verwendung des Psychodrama zur Traumatherapie (Kriz, 2001)

Das Psychodrama kann nicht als einzige Therapiemethode zur Traumatherapie eingesetzt werden, kann aber den Prozess der Traumabewältigung ergänzen. Denn die Rollenspiele sind dafür geeignet, Konfliktsituationen zu bearbeiten und im spielerischen Handeln neue Strategien zur Konfliktbewältigung zu erarbeiten. Die Spiele erlauben es, das verfügbare Rollenrepertoire zu erweitern und neue Verhaltensweisen zu erproben. Das traumatische Ereignis kann im Rahmen des Psychodrama nachgespielt und bewältigt werden, es können andere, neue Perspektiven eingenommen werden und im Hier und Jetzt können Lösungen für die Gegenwart und Zukunft entwickelt werden.

Da das Wiedererleben des Traumas starke Reaktionen auslösen kann, ist es wichtig, dass der Therapeut verantwortungsbewusst mit dieser Methode der Therapie umgeht und der Klient durch das Psychodrama nicht zusätzlich belastet oder gar retraumatisiert wird. Keinesfalls sollte das Psychodrama bei psychotischen Klienten, psychosomatischen Erkrankungen im akuten Stadium und bei Suizidgefährdung eingesetzt werden.

 

Psychodrama im Internet

Deutsche Fachverband für Psychodrama

Psychodrama - Rollenspiel

Moreno Institut Stuttgart

Psychodrama Institut Münster

Konstruktiver Methodenpool der Uni Köln: Psychodrama

Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie

 

Quellen:

Kriz, J. (2001). Psychodrama. In J. Kriz, Grundkonzepte der Psychotherapie (S. 211 - 215). Weinheim: Beltz.