Sich selbst helfen

Auf dieser Seite finden Sie einige Informationen, die es Ihnen als Betroffene/Betroffener oder als Familienmitglied, Freundin oder Freund ermöglichen, sich erst einmal zu informieren und ein paar Fragen zu klären, bevor Sie entscheiden, ob Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchten oder nicht.

Anregungen und weitere Links zu diesem Thema nehmen wir gerne per eMail entgegen.

 

Allgemeine Tipps für Betroffene:

  • Tipps und Strategien für die Zeit unmittelbar nach einer traumatischen Erfahrung, die sich in unserer Praxis bewährt haben und zum Teil auch in der unten angegebenen Literatur beschrieben werden, sind:
    • Bewegung gegen die körperliche Stressreaktion: Angefangen vom Treppensteigen und Spazieren gehen, über Joggen, Radfahren, Schwimmen oder welche Form von Sport auch immer einem liegt oder was einem gut tut. Sie sollen sich nicht überanstrengen, jedoch stellt der Körper in einer traumatischen Situation Unmengen an Energie (für Kampf oder Flucht) zur Verfügung, die oft nicht verbraucht werden kann. Bewegung ganz allgemein trägt dazu bei, dass diese Energie wieder abgebaut wird.
    • Darüber reden: Nicht mit jedem aber mit Menschen Ihres Vertrauens. Nicht ständig, aber doch immer wieder. Reden hilft die gemachte Erfahrung in eine Form der Erinnerung zu bringen, mit der wir besser umgehen können. Gibt es niemanden, mit dem Sie reden können, so können Sie auch über die traumatische Erfahrung schreiben, das hat eine ähnliche Wirkung.
    • Den Tagesablauf beibehalten: Da traumatische Erfahrungen das Chaos in das Leben von Betroffenen hineintragen, ist es besonders wichtig, eine Tagesstruktur aufrecht zu erhalten. Wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen, können Sie wie gewohnt Ihrer Arbeit nachgehen. Eventuell mag es hilfreich sein, die Anforderungen oder die Arbeitszeit vorübergehend etwas zu reduzieren, um zusätzliche Belastung durch z.B. Konzentrationsmangel, Arbeitsdruck zu vermeiden. Aber auch jede andere Form der Tagesstruktur ist hilfreich. Sie können sich diese Struktur selbst geben oder durch eine Ihnen nahestehende Person dabei unterstützen lassen.
    • Was haben Sie bisher getan, wenn Sie gestresst waren? Fertigen Sie sich eine Liste an und versuchen Sie, ob Ihre bisherigen Strategien nicht auch jetzt ein bißchen hilfreich sind.
    • Viel Trinken: Am besten Wasser, Säfte oder Kräutertee. Bier, Schnaps, Wein, Kaffee, Cola, schwarzen Tee und ähnliche koffein- oder alkoholhaltige Getränke sollten Sie wegen deren aufputschender Wirkung in den ersten Tagen vermeiden. Vor allem Alkohol birgt die Gefahr einer Abhängigkeit in sich, die man häufig im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen findet und die den Helungsprozess massiv behindert.
    • Sich etwas Gutes tun: Gönnen Sie sich etwas, was Ihnen gut tut. Schließlich haben Sie eine sehr große Leistung vollbracht als Sie die traumatische Erfahrung machen mussten. Traumatische Erfahrungen kosten viel Kraft. Nehmen Sie sich Zeit, wieder zu Kräften zu kommen!
    • Sich entspannen, Ruhe finden: Ein Entspannungsverfahren zu lernen ist nicht nur nach traumatischen Ereignissen hilfreich. Allerdings kann es Ihnen nach einer traumatischen Erfahrung helfen zur Ruhe zu kommen oder auch einzuschlafen, womit Betroffene häufig Schwierigkeiten haben. Meditation, Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung (PME) sind nur einige Verfahren, auf die man hier zurückgreifen kann und die man zum Beispiel über die örtliche Volkshochschule lernen kann. Es wäre gut, wenn der Kursleiter um Ihre Erfahrung weiß, da gerade der Übergang in die Entspannung für das Auftauchen von Bildern oder anderen Missempfindungen der belastenden Erfahrung führen kann (siehe PME). In diesem Fall ist die Untersützung eines Profis ratsam.

 

Informationen aus Büchern:

  • Reddemann, Luise (2001): Imagination die heilsame Kraft. Pfeiffer bei Klett-Cotta Stuttgart, ISBN 3-608-89708-9
    Dieses Buch richtet sich explizit auch an Betroffene. Sie finden hier viele Übungen mit Vorstellungsbildern (Imaginationen), die sehr genau beschrieben sind und Sie dabei unterstützen können, mit den negativen Gefühlen und Erinnerungsbildern umzugehen zu lernen.

  • Levine, Peter A. (1998): Trauma-Heilung – Das Erwachen des Tigers. Synthesis Verlag, ISBN 3-922-02691-5
    Ein Buch in dem erklärt wird, was ein Trauma ist und was es mit Betroffenen macht. Außerdem finden Sie hier Übungen und Strategien, wie Sie Ihre Fähigkeiten nutzen können, um mit den Folgen traumatischer Erfahrungen umzugehen.

  • Herbert, Claudia ( 2002): Traumareaktionen verstehen und Hilfe finden: Ein Ratgeber für Traumaüberlebende, ihre Familien und Menschen, die mit Traumatisierten arbeiten. Blue Stallion Publications, ISBN 1-904127-03-7 (siehe Rezension)
    In diesem Ratgeber wird kurz und klar erklärt, was ein Trauma ist, was es für Betroffenen bedeutet und wie Sie Hilfe finden können.

  • Fischer, Gottfried (2003): Neue Wege aus dem Trauma. Patmos Verlag, ISBN 3-530-40145-5
    Das Buch von Gottfried Fischer ist ein Ratgeber um Traumafolgen zu verstehen und gibt Betroffenen praktische Tipps und Übungsanleitungen zur Traumabewältigung.

  • Tausch, Reinhard (2001): Hilfen bei Stress und Belastung. rororo Verlag, ISBN 3-499-60124-9
    Ein traumatisches Erleben ist auch immer mit einer extremen Stressbelastung verbunden. Was Stress ganz allgemein ist und welche Strategien es gibt, mit Stress ganz allgemein umzugehen, auch mit traumatischem, also besonders extremem Stress, beschreibt dieses Buch auf eine verständliche und nachvollziehbare Weise.

  • Striebel, Christine (2004). Nicht allein - Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt. Berlin: Orlanda. ISBN 3-936937-12-5 (siehe Rezension)
    Ein Buch von Betroffenen für Betroffene mit vielen Tipps und Übungen.

 

  • Reddemann, Luise und Dehner-Rau, Cornelia (2007). Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Stuttgart: Trias. ISBN 3830434235
    Fast jede und jeder von uns hat im Laufe seines Lebens schon mal ein Trauma erlitten. Es sind schicksalhafte Erfahrungen, die unseren alltäglichen Horizont sprengen und uns aufs Äußerste herausfordern.Wenn es uns gelingt, diese Erfahrungen zu bewältigen und zu integrieren, können sie uns reifer werden lassen und uns lehren, realistischer mit dem Leben umzugehen.

 

Selbsthilfegruppen im Internet suchen:

 

  • Ein weiteres Portal für Selbsthilfeadressen ist selbsthilfe-kontaktstellen.de, wobei dort einige Links zu finden sind, die hier auch schon aufgeführt sind (z.B. NAKOS)

  • Einige Landkreise in Baden-Württemberg sind an die Datenbank der Sozial- und Arbeitsmedizinischen Akademie Baden-Württemberg e.V (SAMA) angeschlossen, die Adressen und Informationen von Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen etc. zur Verfügung stellt. Diese Gesundheits-Informations-Datenbank ist hier zu finden.

 

Selbsthilfeforen zum Thema, die sich bei uns direkt gemeldet haben

  • www.selbsthilfeforen.de ist ein Angebot zu gegenseitiger Hilfe im Internet mit verschiedenen Themenschwerpunkten, unter anderem auch Missbrauch/Sexuelle Gewalt, Tod/Trauer. (bei uns gemeldet 2008)

 

Professionelle Hilfe suchen:

Wenn Sie sich entscheiden sollten, professionelle Hilfe zu suchen, dann finden Sie die entsprechenden Informationen auf unserer Seite zur Therapeutensuche.