Stalking

Auf dieser Seite finde Sie informationen zu folgenden Fragen:

  • Was ist Stalking / Nachstellung?
  • Was sind typische Verhaltensweisen von Stalkern?
  • Was sind typische Reaktionen von Betroffenen?
  • Wie werde ich den Stalker wieder los?
  • Wo finde ich Hilfe?
  • Wie häufig ist Stalking?
  • Ist Stalking strafbar? (§ 238 StGB Nachstellung)
  • Weitere Informationen im Internet
  • Quellen

 

Was ist Stalking / Nachstellung?

Als Stalking, zu Deutsch Nachstellung oder auch obsessive Belästigung oder obsessive Verfolgung wird das Phänomen bezeichnet, dass eine Person eine bestimmte andere Person über einen längeren Zeitraum belästigt und bedroht. Eine eindeutige Definition des Phänomens gibt es bisher nicht. Jedoch kann man laut Hoffmann (2006, S. 3) in den meisten Fällen von Stalking sprechen, wenn es wiederholte Handlungen der Kontaktaufnahme, Annäherung oder Belästigung, gibt, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg ziehen, die implizite Regeln sozialer Interaktion überschreiten und die sich auf eine spezifische Person richten. Dazu kommt, dass diese Handlungen von der Zielperson zumindest teilweise wahrgenommen werden und von der Zielperson direkt nur eingeschränkt oder gar nicht beeinflussbar sind. In mittleren und schweren Fällen berichten die Opfer das Gefühl von Furcht.

 

Was sind typische Verhaltensweisen von Stalkern? (Hoffmann, 2006)

Ziel aller Handlungen ist es Eindruck auf das Opfer zu machen.

Hyperintimität: Handlungen, mit denen der Stalker auf offensive Weise zum Ausdruck bringe, dass er eine intime oder sexuelle Beziehung herstellen möchte. Dies kann mit Hilfe verbreiteter Kommunikationsmittel wie Brief, Telefon, SMS, eMail oder Chats geschehen oder durch persönliches Ansprechen. Mögliche Inhalte sind etwa Schmeicheleien, die konkrete Bitte um eine Verabredung oder sexuelle Anspielungen. Auch ein eher indirekter Ausdruck des Wunsches nach Beziehung gehört in die Kategorie der Hyperintimität, wie z.B. das Verschicken von Blumen oder das Hinterlassen von Nachrichten am Auto des Opfers.

Verfolgung, Annäherung und Überwachung: Mit dieser Taktik versucht der Täter physische Nähe zum Opfer herzustellen. In leichter Form kann dies durch Verwickeln in Gespräche geschehen, aber auch durch direktes Verfolgen, zu Fuß oder im Auto. Weitere Formen sind das Auflauern an der Wohnung oder am Arbeitsplatz und in einer extremeren Variante die Verlegung des Wohnsitzes nahe zum Haus des Opfers.

Eindringen in den Privatraum: Diese Kategorie umfasst alle Verhaltensweisen, bei denen entweder die Privatsphäre oder der persönliche Lebensraum des Opfers verletzt werden. Dabei tritt eine deutliche Überschreitung von sozialen Normen oder sogar von Gesetzen auf. Einbrüche in die Wohnung, Beschädigung oder Diebstahl von Eigentum des Opfers zählen zu diesen Taktiken, aber auch das Entwenden von Post aus dem Briefkasten.

Annäherung über Dritte: Bei diesen Verhaltensmustern nutzt der Stalker dritte Personen für seine Ziele. Z.B. versucht er, Informationen zu gewinnen, indem er Kollegen, Freunde und Bekannte des Opfers befragt. Nicht zuletzt können Dritte direkt für das Stalkingverhalten eingesetzt werden, wie etwa ein Bekannter des Stalkers, der sich auf dessen Drängen hin wieder bereit erklärt, Nachrichten in den Briefkasten des Opfers zu werfen.

Einschüchterung und Belästigung: Mit Hilfe dieser Taktiken soll das Opfer gezielt unter Druck gesetzt werden. Dabei können direkte Drohungen ausgesprochen werden, etwa indem vom Stalker eine Gewalttat oder aber Suizid angekündigt wird. Weitere Handlungen die dieser Kategorie zuzuordnen sind, sind nonverbale Einschüchterungsversuche, Rufschädigungen oder das Belästigen von Personen, die dem Opfer nahe stehen, um auf indirekte Weise Psychoterror auszuüben.

Zwang und Nötigung: Zu dieser Gruppe zählen zum einen Handlungen, welche die Bewegungsfreiheit des Opfers einschränken, wie z.B. das Opfer in einen Raum einsperren oder eine Entführung. Aber auch nichtkörperliche Nötigungshandlungen fallen hierunter, etwa indem dem das Opfer direkt erpresst wird oder der Stalker es auf andere Weise zu einem Gespräch zwingt.

Aggression: Gemeint sind hier direkte körperliche Angriffe, bei denen das Opfer selbst zum Ziel wird, Personen, die schützend eingreifen wollen oder welche die Eifersucht des Stalkers auf sich ziehen. Gelegentlich werden Angriffe auf Haustiere berichtet. Ebenso fallen sexuelle Gewalttätigkeiten wie sexuelle Nötigung und Vergewaltigung in diese Kategorie.

 

Was sind typische Reaktionen von Betroffenen? (Hoffmann, 2006)

  • Psychische und Soziale Folgen
    • Angst und Schreckhaftigkeit
    • Suizidgedanken und -versuche
    • Depression und Niedergeschlagenheit
    • Reizbarkeit und Aggressivität
    • Misstrauen gegenüber anderen Menschen
    • Sozialer Rückzug
  • Körperliche Belastung
    • Schlafstörungen
    • Essstörungen und Magenbeschwerden
    • Kopfschmerzen
  • Auswirkungen auf den Lebensstil
    • Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen
    • Meiden bestimmter Orte
    • Umzug und Wechsel des Arbeitsplatzes
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Vulnerabilität: dependente und selbstunsichere Persönlichkeitsmerkmale: "Ein Axiom aus der Dynamik des Stalkens lautet: Männer die nicht loslassen können, wählen Frauen, die nicht nein sagen können." (De Becker, 2001)

 

Wie werde ich den Stalker wieder los?

Bis ich dazukommen, ein paar eigene Zeilen zu schrieben, möchte ich Sie aut die Seite www.liebeswahn.de an entsprechender Stelle verweisen.


Wo finde ich Hilfe?

Siehe Internetressourcen weiter unten oder direkte Links, z.B. im Stalking-Forum oder über den Weißen Ring e.V. bei letzterem muss man sich bis zur Bundesgeschäftsstelle oder der entsprechende Beratungsstelle in Ihrer Nähe durchsuchen.

 

Wie häufig ist Stalking?

Genaue Zahlen über die Verbreitung dieses Phänomens liegen bisher nicht vor, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass etwa 11 - 13% der Bevölkerung Opfer eines mittleren Stalkings sind, was von variabler Dauer gekennzeichnet ist und mit dem Gefühl der Furcht auf Seiten des Opfers einhergeht. Etwa 5 bis 7% der Bevölkerung erleben Stalking über einen langen Zeitraum mit Angst vor extremer Gewalt gegen sich selbst oder nahestehende Personen. Frauen werden zwei- bis viermal so häufig Opfer von Stalking wie Männer (Hofmann, 2006).

Meinhardt und Wondrak (2004) konnten durch die Befragung von 551 Opfern zeigen, dass Betroffene im Schnitt mit 7,5 unterschiedlichen Stalking-Verhaltensweisen konfrontiert waren. 83,8% der Opfer nannten belästigende Telefonanrufe, 66,1% Herumtreiben in der Nähe, 61,5% Kontaktaufnahme über Dritte, 53% im Umfeld nachfragen, 52,1% vor der Haustür stehen, 49,2% SMS, 48,6% Briefe, 38,9% körperliche Angriffe, 32,5% Nachrichten am Auto/Haustür o.Ä., 24,1% Beschädigung von Eigentum, 17,1% Eindringen in die Wohnung, weitere Verhaltensweisen waren Nachlaufen (42,3%), mit dem Auto nachfahren (35,4%), eMails (37,4%), wortloses Dasitzen (36,3%), Zusenden schockierender /Obszöner Gegenstände (12,7%) und Bestellung/Abbestellung von Waren und Dienstleistungen im Namen des Betroffenen (10,9%). Hier zeigt sich, wie erfinderisch und vielfältig die Arten der Belästigung sind, denen Opfer ausgesetzt sind. Entscheidend ist nicht die einzelne Handlung sondern das fortgesetzte Muster von Grenzverletzungen.

Meinhardt und Wondrak (2004) konnten ebenfalls zeigen, dass in knapp 50% der Fälle der Stalker ein Expartner war, in 12,3% der Fälle ein Bekannter und in 9,3% der Fälle ein Fremder. Aber auch andere Personen wie Nachbarn (8,7%), Arbeitskollegen (6,4%) oder Freunde (5,2%) wurde zu Stalkern. Eine professionelle Vorbeziehung (z.B. Klient, Schüler, Patient, Kunde) bestand in 4,5% der Fälle. Expartner vom Partner waren in 3,4% der Fälle Stalker und in 1,6% der Fälle waren es Familienmitglieder.

 


Ist Stalking strafbar? (§ 238 StGB, Nachstellung)

Ja, prinzipiell ist Stalking inzwischen strafbar. Der §238 Strafgesetzbuch (Literaturquelle) besagt:

(1) Wer einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich

1. seine räumliche Nähe aufsucht,

2. unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihm herzustellen versucht,

3. unter missbräuchlicher Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen für ihn aufgibt oder Dritte veranlasst, mit diesem Kontakt aufzunehmen,

4. ihn mit der Verletzung von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Gesundheit oder Freiheit seiner selbst oder einer ihm nahe stehenden Person bedroht oder

5. eine andere vergleichbare Handlung vornimmt

6. und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter das Opfer, einen Angehörigen des Opfers oder eine andere dem Opfer nahe stehende Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.

(3) Verursacht der Täter durch die Tat den Tod des Opfers, eines Angehörigen des Opfers oder einer anderen dem Opfer nahe stehenden Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

(4) In den Fällen des Absatzes 1 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

 

Weitere Informationen im Internet

Die deutsche Stalking-Opferhilfe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hilfe für Opfer von Straftaten im Bereich des Nachstellens (wie Bedrohung, Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung) durch Täter – sog. Stalking – und die Förderung der Kriminalprävention in diesem Bereich bereitzustellen und informiert über ihre Angebote auf ihrer Internetseite.

Die deutschsprachige Seite www.liebeswahn.de der Buchautorin Susanne Schumacher informiert ausführlich und übersichtlich.

Auf der Seite http://www.antistalking.de/ informiert der Rechtsanwalt Dr. Volkmar von Pechstaedt über Stalking und die rechtlichen Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Herr Pechstaedt beschäftigt sich schon sehr lange mit Stalking und hat einiges dazu veröffentlicht.

Das Stalking-Forum der Autorinnen Beate Kabel und Ines Richlick informiert über das Phänomen und bietet in einem Stalking-Forum direkten, geschützen Austausch an.

Auf den Stalking-Seiten der Universität Darmstadt finden Sie vor allem Informationen zur Stalking-Forschung. Für Betroffene gibt es Verhaltensvorschläge sowie die Möglichkeit, Fragen an die Forschungsgruppe zu richten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich bei Forschungsprojekten als Interviewpartner zu beteiligen.

Das von Dr. Jens Hofmann und Dipl.-Psych. Isabel Wondrak geleitete Institut Psychologie & Sicherheit bietet Fortbildung im Bereich Stalking an.

Auf der englischsprachigen "Antistalking Web Site" finden sich Informationen nicht nur für Betroffene sondern auch für die Verbesserung von Gesetzen, für Helfer, Forscher, Pädagogen, Gesetzgeber und Sicherheitspersonal.

Unter dem Namen Love me not (http://www.lovemenot.org) findet man die englisch- oder spanischsprachige Seite der Staatsanwaltschaft von Los Angeles mit entsprechenden Informationen.

http://www.stalkingvictims.com ist ebenfalls eine englischsprachige Seite mit vielen informationen und Unterstützung für Betroffene.

 

Quellen

DeBecker, G. (2001). Mut zur Angst: Wie Intuition uns vor Gewalt schützt. Frankfurt: Fischer TB.

Hoffmann, J. (2006). Stalking. Heidelberg: Springer.

Meinhardt, B. & Wondrak, I. (2004). Empirische Untersuchung zum Phänomen Stalking aus Sicht der Betroffenen. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Technische Universität Darmstadt, Darmstadt.

Schumacher, S. (2004). Stalking - Geliebt, Verfolgt, Gehetzt: Ein Ratgeber für Betroffene (2. Auflage). Göttingen: Hainholz